Fein. Kollege Isi frug vor einiger Zeit, ob ich ihn, die olle Hupe und die Junghupen zum A-Jugend Finalspiel Bayer Leverkusen – Bayern München begleiten würde. Aber klaro, früher selbst bei vielen Jugendspielen des WSV dabei, nochmal der Jugend auf die Finger bzw. Füße gucken, das würde Spass machen.
So machten wir uns gestern nach Leverkusen auf. Früher wurden solche Finalspiele um die deutsche Meisterschaft von vielleicht 200-3000 Leuten, hauptsächlich fachkundigem Publikum, besucht. Doch was gestern los war, hätte auch einem Bundesligaspiel Bayer-Bayern alle Ehre gemacht.
Pickepackevoll war das “Schmuckkästchen – Ausbauphase 1″. Die Ordner heillos überfordert, hatten erst die komplette Gegengerade dichtgemacht, weil sie nicht mit so einem Andrang gerechnet hatten. Bei freiem Eintritt kamen rund 25.000 Leute um den Jungs die Ehre zu erweisen, die sie als Finalteilnehmer verdient hatten. Obwohl wir früh gekommen waren, verbummelten wir unsere Zeit bei einem unsäglich schlechten Frühstück in Henry Maskes McDonalds, dass dort im Stadion integriert ist. Von mir aus könnte das chirugisch herausgeschnitten und fachmännisch entsorgt werden. Bäh, nie wieder Frühstück da. Bilder machen Appetit, aber was man dann auf den Teller gerotzt bekommt ist eine Unverschämtheit. Zwei hingerichtete Croissants, die Beilagen kann man sich gefälligst selbst in der Mitte der Fraßschubse abholen. Lustig, wenn 6 Reihen mit ung. 60 Leuten anstürmen.
Danach machten wir uns auf um auf der Gegengerade, von der wir nicht wussten, dass sie bis dato geschlossen war ein schönes Plätzchen neben “Calli” zu ergattern. Tja, Pustekuchen, man schickte uns wieder zurück nur um uns am alten Eingang zu sagen, dass da nun auch voll war. So schickte man uns wieder auf die Gegengerade. Hupe platzte der Kragen und irgendwie schlängelten wir uns irgendworein. Nach kurzer Diskussion mit der Security (komische Menschen, diese…) hatten wir fünf schöne Plätzchen in der ersten Reihe. Wir liessen uns nieder und begutachteten erstmal das Interieur des Fussballtempels zu Leverkusen.
“Hmm, bisschen klein für die Bundesliga, aber hübsch und gute Musikanlage”, konstatierte ich. Leider plätscherte es unter mir und uns fiel sofort ein Fauxpas der hiesigen Architektur auf: Das Dach reicht gerade so eben über die erste Reihe, befindet sich aber naturgemäß in ziemlicher Höhe (Sonst könnten die hinter uns ja nix mehr sehen). Da aber Regen selten genau im 90 Grad Winkel zu Boden fällt, sondern durch Wind immer gerne den Leuten auf der Tribüne in die Schnauze weht ist man naturgemäß dort unten am Spielfeldrand nicht gut vor dem untriebigen Puistefix geschützt. Will heissen: Wenn es regnet, wird man nass, und zwar bis auf die Knochen. Hupes Äusserung (Achtung: Vereinsbrille), “Kommt drauf an wie der Wind steht”, tat ich mit einer wegwerfenden Handbewegung ab. Denn mir war die riesige Pfütze unter unseren Sitzplätzen aufgefallen, in der wir gerade unsere Füsse badeten. Zwar hatten die Architekten Wasserabläufe in der vorderen Begrenzung angebracht, sich aber bei der Montage der Betongussteile so dämlich angestellt, dass der Boden zur hinteren Wand hin ungefähr 5% abschüssig war. Das anfallende Regenwasser kann die Abläufe also nur erreichen, wenn es aus Eimern giesst. Dann ist es aber auch egal, da man sowieso einen Schwimmkurs braucht, um in der ersten Reihe zu bestehen. So was nennt man wohl “Pfusch am Bau”.
Aber das wichtigste: Fussball wurde auch gespielt, und das mit feiner Technik und ganzem Einsatz. Wie in der Jugend üblich brannten die Jungs am Anfang fast alles ab, was sie zur verfügung hatten. Bayern ging schnell in Führung, gab aber das Spiel nach und nach aus der Hand. Mitte der zweiten Halbzeit schwanden langsam die Kräfte auf beiden Seiten aber Bayer 04 schaffte den Ausgleich. In der Endphase hatten sie Glück mit einem Lattentreffer der Münchner, so ging es in die Verlängerung. Dort hatten die Leverkusener mehr drauf, als die Münchner und gewannen letztendlich verdient mit 2:1.
So machten wir uns wieder auf Nachhause, standen lange im Stau. Alles in allem ein schöner Sonntag vormittag.
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