Gestern haben wir auf der Karte einen HotPot mit heissem Wasserfall gefunden. Dem konnten wir nicht widerstehen und haben die rund 60km auf uns genommen.
In Deutschland sind 60km fix abgespult. Hier ist das was anderes. die Hochlandpisten lassen im Schnitt mit unserem Wagen nur 30 km/h zu. Teilweise ist die Piste gar nicht mehr als solche zu erkennen und ist dementsprechend wild. Normale Strassenfahrzeuge würden hier nach kurzer Zeit alle Viere von sich strecken. Nicht so unser Landkreuzer. Gelassen nimmt er alle Herausforderungen an. Bisher gab es auf Island noch keine Herausforderung, die er nicht mühelos gemeistert hätte.
Angekommen am Laugarfell waren wir ob der sehr gepflegten Grünfläche angenehm überrascht. 1906 wurde hier ein Bauernhof gegründet. Als der Besitzer in einem Blizzard all seiner Schafe verlustig ging, brachte er sich kurzerhand um. Der kleine Hof mit typischem Rasendach ist immer noch vorhanden und wird anscheinend ab und zu von Schäfern als Quartier benützt.
Seitlich fliesst ein Bach mit ungefähr 35-40 Grad heissem Wasser den Hang hinunter. Kurz bevor er sich in einen grösseren Fluss ergiesst, bildet er einen kleinen HotPot in den das Wasser aus ung. 4 Metern herabstürzt. Eine Wonne, unter dieser natürlichen Dusche zu stehen. (Panoramabild mit badendem Chico findet ihr in der Galerie).
Heute ging es dann zum Vatnajökull. Wer meint, “och, Gletscher kenn ich aus den Alpen, laangweilig…”, dem sei gesagt: Vergiss es. In ung. 40km Entfernung glitzert ein Ausläufer dieses Gletschers in der Sonne wie ein gefrorenes Meer. Gerade wir ein Strich zieht sich der Horizont dahin. Kommt man ihm näher erkennt man den Schmutz, die Lava-Asche und das Geröll, welcher sich seit Urzeiten auf ihm abgelagert hat, wie eine alte fadenscheinige Decke.
Steht man vor ihm an der Bruchkante kann man sich die gewaltigen Dimensionen dieses Urzeitmonsters nicht vorstellen. 12% von Island nimmt er ein. Er ist teilweise bis zu 1000 Meter dick. Er ist einer der grössten Gletscher der Welt und mit Abstand der grösste in Europa.
Wir sind von Snaefell zu einem Ausläufer des Vatnajökull gefahren und ich bin auf ihm rumgeturnt. Vor sich her schiebt er eine schier endlos grosse Moräne aus Schutt, riesigen Brocken Gesteins und Unfug aller Art. Alein die Moräne an dieser Stelle hatte so eine Ausdehnung, dass wir 30 Minuten brauchten sie zu durchqueren. Na diesem kurzen Besuch machten wir uns auf Richtung Kverkfjöll, einem 1900 Meter hohen Berg westlich von unserer Position, wo er wie eine Halbinsel in den Vatnajökull hineinragt.
Um dorthin zu gelamngen durchquert man ein Gebiet namens Kreppatunga. Ein Nationalpark, wo sich die vulkanische Herkunft Islands offenbart. Grossartige Fels- und Lavaformationen sind hier zu bestaunen. Mit jeder Biegung verändert sich die Landschaft und lässt einen mit offenem Mund dastehen. Wer mit Vulkanen bisher nur die Eifel verbindet hat mein pures Mitleid. Die ganze Wucht und Gewalt von Mutter Erde materialisiert sich hier auf schätzungsweise 250qm. Nach ungefähr zwei Stunden Fahrt durch Kreppatunga (gefühlte 2 Tage), erreicht man die bewirtschaftete Hütte Sigurdarskali. Hier sind eine Menge Menschen, denn rund 5km weiter befindet sich eine wahrhaft gigantische Eishöhle. Aus ihr strömt ungefähr das Wasservolumen der Wupper bei Hochwasser. Ausserdem werden hier Touren in Richtung Kjrekfjöll angeboten. Diese dauern in der Regel so 10 Std. und wir werden morgen mitgehen. Am Ende wird man mit einem geothermalen Gebiet belohnt, wo die heisse Erde einen einlädt sich mit dem blanken Hintern hinzuhocken und die Aussicht zu geniessen. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen.
Demnächst wieder mehr in diesem Theater.
p.s. Trolle? Nicht gesichtet. Aber der Isländer mag die sportliche Bereifung mit Ballonreifen. Dafür nimmt er auch gerne einen zweiten Job auf sich und verschuldet sich horrend. Kein Spruch, sondern eine wahre Schilderung der Situation von Werner aus der Karmücken-Steppe…
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